So planen Sie den Ablauf eines Livestreams

So planen Sie den Ablauf Ihres Livestreams.

Inhaltsverzeichnis

Lesezeit: 5 Minuten

Noch vor einigen Jahren war es modern eine Veranstaltung ins Internet zu streamen – Bedürfnisse der Zuschauer vor dem Monitor? Egal! Heute ist das anders – Zuschauer klicken weg, wenn der Stream schlecht ist. Planen Sie den Ablauf daher akribisch im Vorfeld und bedenken Sie: Das Pareto Prinzip ist der Tod guter Livestreams. Sie lernen hier über Ihr Rüstzeug, damit Zuschauer in Ihrem Stream bleiben.

Das brauchen Sie für Ihren Livestream

  • Die ersten Sekunden knallen und holen Zuschauer sofort ab.
  • Ein Vortrag dauert maximal sieben Minuten.
  • Sie wechseln das Format im Livestream.
  • Gönnen Sie Ihrem Zuschauer Sendepausen.
  • Verteilen Sie ein langes Programm auf mehrere Tage.
  • Streamen Sie von passenden Schauplätzen – nicht vor Greenscreen.
  • Nutzen Sie interaktive Elemente.
  • Sprechen Sie Ihren Zuschauer direkt an.
  • Sagen Sie Nein zu Powerpoint und nutzen Sie Video, Audio, Texte.
  • Erstellen Sie ein Drehbuch.
  • Planen Sie Kamera-Perspektiven.
  • Zeigen Sie Menschen hinter den Kulissen.
  • Holen Sie Profis ins Boot – ein Event Regisseur wirkt Wunder.
Livestream, Vor-Ort-Veranstaltungen und Fernsehen unterscheiden sich signifikant.
Livestream, Vor-Ort-Veranstaltungen und Fernsehen unterscheiden sich signifikant.

Livestream vs. Fernsehen vs. Veranstaltung

„Das war schon immer so“ oder „Unser Vorstand spricht immer 45 Minuten“ oder „Was anderes als Powerpoint geht nicht“. Schonmal gehört oder selbst gedacht? Kein Problem – diese Aussagen passen nur nicht zu einem guten Livestream. Menschen, die fernsehen, entscheiden sich dafür, sich berieseln zu lassen – sie wollen abschalten. Menschen im Livestream (zumindest im b2b Bereich) wollen Informationen, am besten gepaart mit Unterhaltung. Merken sie, dass beides nicht kommt oder irrelevant ist, sind sie weg – bei Mails, im Internet oder im Garten.

 

Menschen auf einer Veranstaltung vor Ort sind in einem Raum. Auch sie entschieden sich freiwillig dafür. Ist der Vortrag auf der Bühne langweilig, gehen einige – viele bleiben aber sitzen. Aus Anstand, weil sie faul sind oder weil noch was Spannendes kommt. Ist ein Livestream langweilig, sind sie weg – bei Mails, …

 

Im Livestream regiert Spannung – der Spannungsbogen ist aber anders als der eines Films oder einer Veranstaltung. Dort arbeiten die Macher auf das Finale hin, es gibt die Heldenreise. In einem Stream brauchen Sie eine Sägezahn-Spannung – ständige Spannungs-Spitzen, sodass Zuschauer dran bleiben.

Aufmerksame Zuschauer

Laut Legende konzentriert sich ein Goldfisch neun Sekunden – Menschen weniger. Ob es stimmt oder nicht, spielt keine Rolle. Wichtig ist zu wissen, dass sich Menschen schnell ablenken, wenn sie sich langweilen. In Ihrem Livestream darf es zu keiner Zeit zu Langeweile kommen. Am Bildschirm gehen einige Faktoren verloren, die in der realen Welt die Sinne stimulieren:

 

  • Ein Bildschirm ist 2D – ein Mensch vor Ihnen ist 3D.
  • Temperatur, Geruch und Geräusche eines Ortes fehlen.
  • Kleine Gesten nebenbei fehlen – ein Winken, ein Blick, ein Hallo, ein Tschüss.
  • Der Plausch mit dem Nachbarn fehlt – der Kaffee dazwischen

3S: Ein guter Livestream S.timuliert S.tändig S.inne.

Ralf Biebeler
Der Spannungsverlauf in einem gutem Livestream folgt einer Sägezahn-Spannungskurve.
Der Spannungsverlauf in einem gutem Livestream folgt einer Sägezahn-Spannungskurve.

Der Ablauf für Ihren Livestream

Die Reihenfolge ist im Prinzip egal – wichtig ist, dass Sie den Zuschauer bei Laune halten. Das geht mit diversen Elementen, die sie einstreuen – planen Sie diese vor dem Stream und proben Sie alles. Die Probe findet aber nicht am Morgen vorher statt, sondern am Vortag oder einige Tage vorher. Dies erlaubt Ihnen an Details zu arbeiten, sodass diese im Stream perfekt sind.

Der Zeitfaktor ist in Livestreams extrem wichtig.

Die ersten Sekunden: Extrem wichtig!

Wie überall (im Film, in Texten, bei Vorträgen, in der Schule) … holen Sie die Zuschauer am Anfang ab. Hakt es da, sind Ihre Online-Zuschauer weg – platzieren Sie etwas Geniales am Anfang. Starten Sie mit einer Geschichte aus Ihrem heutigen Morgen oder greifen Sie eine aktuelle Nachricht auf. Liefern Sie eine abwegige Zahl oder beginnen Sie mit einem Thema, das nichts mit Ihrem Thema zu tun hat. Schlagen Sie dann den Bogen zu Ihrem Thema.

Der Zeitfaktor ist in Livestreams extrem wichtig.

Sieben Minuten Maximum

Im Durchschnitt dauert die Neujahrsansprache eines Bundes-Präsidenten sieben Minuten. Danach sinkt die Lust zuzuhören. Spricht ein Vorstand 45 Minuten, ist alles danach, verloren. Planen Sie Ihren Livestream über 90 Minuten daher kleinteilig. Vorträge sind kurz (im Idealfall sieben Minuten), dann passiert etwas Neues. Auch wenn nur eine Person durch den Stream führt, sind kleine Häppchen ratsam – unterbrochen von anderen Formaten.

Wechseln Sie häufig das Format innerhalb des Streams.

Wechseln Sie das Format

Formate sind: Vorträge, Fragen und Antworten, Videos, Audio-Einspieler, Talkrunden mit Gästen oder dem Moderator, Pausen, Prototypen zeigen, Zuschauer befragen, ein Quiz … Wechseln Sie diese Formate ab, sorgen Sie für die Sägezahn-Spannung.

Verteilen Sie viel Programm auf mehrere Tage.

Verteilen Sie Ihr Programm

Sie planen einen großen Livestream? Verteilen Sie ihn – nach sechs Stunden Streaming ist niemand aufmerksam. Bringen Sie ähnliche Informationen geballt unter, verlieren Sie Ihre Zuschauer spätestens am Ende des Tages. Besser ist, wenn Sie Ihr Programm über mehrere Tage strecken und jeden Tag andere Themen behandeln. Zuschauer, die sich für Thema A interessieren, sehen heute einen Vortrag über dieses Thema und morgen den nächsten. Sie sind 45 Minuten aufmerksam je Tag – fertig. Packen Sie alle Themen in einen Tag, verlieren Sie den Zuschauer geistig.

Der Zeitfaktor ist in Livestreams extrem wichtig.

Machen Sie Pausen

Geben Sie dem Zuschauer Pausen und planen Sie diese bewusst. In diesen Pausen gibt es keine Informationen – sie sind eine Sendepause. Wenn Sie mögen, berieseln Sie Ihren Zuschauer mit Musik und Videos, senden Sie aber keine Informationen. So kommt sein Gehirn zur Ruhe.

Seien Sie am Ort des Geschehens – nicht vor Greenscreen

Wieso wir Probleme mit hybriden Studios und Greenscreen beim Livestream haben, lesen Sie hier. Fakt ist, dass ein grüner Hintergrund gut ist, wenn Sie keinen besseren Ort finden. Idealerweise unterstützt dieser Ort das Thema Ihres Streams. Ihr Thema ist Medizin – denken Sie an eine medizinische Umgebung. Sie sprechen über Kaffee – streamen Sie aus einem Café. Ihr Thema ist Lack für Autos – streamen Sie aus einer Lackiererei. Verbinden Sie Ort und Story Ihres Streams.

Nutzen Sie die vielen kleinen Tools, die es gibt.

Tools nutzen – interaktive Elemente und Ansprache

Binden Sie Ihre Zuschauer ein – Chats oder Feedback-Formulare sind nur ein Teil. Es gibt jede Menge Werkzeuge und Tools für Ihren Livestream. Machen Sie ein Quiz oder eine Befragung, holen Sie Gäste per Schalte hinzu, nutzen Sie Reaktions-Buttons (Daumen hoch oder runter). Bitten Sie Zuschauer Ihnen Fotos, Videos oder Audio-Dateien zu senden. Diese zeigen sie im Stream – am Anfang oder vor einer Pause. Menschen sehen sich gern selbst – integrieren Sie sie.

Nutzen Sie neue Ideen.

Andere Ideen nutzen – Video, Audio und Texte anstatt Powerpoint

Nutzen Sie weitere Elemente wie Videos, Audios, Bauchbinden, Texte, einen Countdown oder Video-Schalten. Produzieren Sie viel davon vor und feuern Sie es ab während des Streams. So verzichten Sie auch auf Powerpoints. Ein Text im Bild (unter oder neben dem Redner) ersetzt eine Folie. Redner müssen wissen, dass es diese Option gibt – sie hangeln sich dann nicht an einer Powerpoint entlang, sondern reden frei. Die Elemente unterstützen das Gesagte.

Zeigen Sie Menschen.

Menschen hinter den Kulissen zeigen

Zeigen Sie, wie es hinter den Kulissen aussieht – ein Sägezahn ohne viel Aufwand. Unterbrechen Sie Ihre Information und unterhalten Sie die Zuschauer damit – diese hören Ihnen dann umso frischer zu.

Erstellen Sie ein Drehbuch.

Erstellen Sie ein Drehbuch

Den Ablauf eines Livestreams schreiben Sie in ein Drehbuch – das teilen Sie in Kapitel, Ihre Sägezähne. Planen Sie die Kameras – je mehr Abwechslung das Bild für den Zuschauer hat, umso besser. So vermeiden Sie Langeweile. Wie viele Kameras Sie für eine Live Präsentation brauchen, erfahren Sie in einem anderen Beitrag. Gute Streams haben eine gute Bildführung.

Zeigen Sie Menschen.

Profis ins Boot holen und noch mehr Tipps

Sobald die Idee für einen Livestream entsteht, holen Sie einen Profi ins Boot. Der liefert Ideen und Tipps, wie Sie den Ablauf des Streams sinnvoll gestalten. Diese Profis finden Sie bei uns oder bei Event Regisseure. Zudem bieten wir technischen Support bei Zoom und Teams Konferenzen, damit Sie keinen Stress damit haben. Wir sammelten in einem anderen Beitrag einige Tipps, wie Sie Ihre Videokonferenz spannender gestalten. Lesen Sie auch dort weiter.

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